Theobald Kerner

Theobald Kerner wurde am 14. Juni 1817 in Gaildorf  geboren , wuchs aber in Weinsberg auf, wo sein Vater ab 1819 Oberamtsarzt war. Wie sein Vater auch, fühlte er sich Weinsberg eng verbunden. Er  gilt nicht allein als Hüter des Kernerhauses und der Burgruine, sondern auch als  Bewahrer und Vollender von Justinus Kerners  Vermächtnis.
Theobald studiert Medizin in Tübingen und wirkt, wie sein Vater auch, als praktischer Arzt zuerst in Weinsberg als Assistenzarzt von seinem Vater, dann in Bad Cannstatt, wo er eine galvanisch-magnetische Praxis eröffnet.
Anders als sein Vater war Theobald ein durch und durch politischer Mensch. Als aktiver „Achtundvierziger“ kämpfte er für  die Verwirklichung eines demokratischen Staatswesens in Deutschland. Dafür erhielt er zehn Monate Festungshaft auf dem Hohenasperg. Während  seiner Festungshaft im Winter 1850/51  schreibt und malt Theobald sein Blumenkinderbuch „Prinzessin Klatschrose“ um, so schreibt er im Vorwort zur zweiten Auflage von 1893, „die böse Gegenwart“ zu vergessen. (das Buch ist noch heute als originalgetreuer Reprint beim Kerner-Verein zu beziehen).
Theobald Kerner war, wie sein Vater auch, Arzt und Dichter. Von Interesse sind vor allem die politischen Gedichte  aus der Zeit der 48er Revolution wie z.B. „Hohenasperg 1851“: „So war es und wird´s ewig sein: Wer Freiheit liebt, den sperrt man ein…“
Aber auch die Ereignisse aus dem Bauernkrieg von 1525 haben ihn beschäftigt. In einem kurzen Gedicht schildert Theobald eine erschütternde Szene, die an Grausamkeit kaum zu überbieten ist:
 
„Der Henker führt heut´ einen scharfen Zug:
Schon achtzig Bauernköpfe sind gefallen –
Noch immer ist´s dem Truchsess nicht genug.
Jetzt naht todbleich der jüngste noch von allen,
Ein Bäuerlein sich zitternd dem Schafott:
„O weh!  soll ich schon sterben lieber Gott?“
So rief´s  indem sein Aug´ zum Himmel drang –
„Und habe doch mein ganzes Leben lang
Kaum zweimal erst am Brot mich sattgegessen!“
Ein Hieb, und ewig nun sein Hunger schlief –
Der feiste Bischof fromm aufseufzend rief:
„ Das Bauerntier denkt selbst im Tod ans Fressen!“
 
Mit dem Kernerdenkmal, dem Steinernen Album auf der Weibertreu, dem Verkauf des Kernerhauses an den Justinus-Kerner-Verein  und seinem  viel gelesenen  Erzählband „Das Kernerhaus und seine Gäste“ (heute wieder beim Kerner-Verein zu beziehen) hat Theobald entscheidend zur Ankurbelung des Fremdenverkehrs in Weinsberg beigetragen und dafür gesorgt, dass die Erinnerung an seinen Vater im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit wach bleibt und Weinsberg als bedeutendste Gedenkstätte der Schwäbischen Romantik in Württemberg einen besonderen Platz in der  schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte  im 19. Jahrhundert einnimmt.
 
Theobald Kerner stirbt hoch betagt am 11. August 1907 in Weinsberg.