Das Steinerne Album

Mit dem  Steinernen  Album   beginnt das „zweite Leben" der Burg.

Theobald Kerner, der Sohn Justinus Kerners, wurde am 14. Juni 1817 in Gaildorf geboren und wuchs in Weinsberg auf. Er studierte Medizin und praktizierte viele Jahre in Bad Cannstatt, wo er eine galvanisch­magnetische Heilanstalt gründet, um die Theorien seines Vaters praktisch anzuwenden. Seine Schrift „Galvanismus und Magnetismus als Heilkraft" erfährt vier Auflagen. Er genießt hohes Ansehen und wird zum Hofrat ernannt.

Nach dem Tode seines Vaters 1862 kehrt Theobald nach Weinsberg zurück und übernimmt im Sinne seines Vaters die Aufgabe des „Hüters" und „Bewahrers" nicht nur des Kernerschen Anwesens mit Kernerhaus, Geisterturm, Alexanderhäuschen, Kernerdenkmal und der Burgruine Weibertreu, sondern auch die Aufgabe des Vorsitzenden des von seinem Vater gegründeten Weinsberger  Frauenvereins.

In dieser  Eigenschaft  beginnt Theobald bereits ab 1868 die Namen von berühmten Gästen seines Vaters, die auch die Burg besucht hatten, im Dicken Turm in Stein einmeißeln zu lassen. Es entsteht das „Das Steinerne Album“. Es wird 1886 aus Anlass von Kerners 100. Geburtstag erweitert und in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zum Abschluss gebracht.

Theobald  bringt im Auftrag des Frauenvereins auch den ersten Prospekt zum Steinernen Album heraus.  Er ist weit aus mehr als nur „Hüter" und „Bewahrer", er ist in gewissem Sinne auch „Vollender" dessen, was sein Vater mit der Rettung der Burgruine begonnen hatte: die Ruine als Aussichtspunkt der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und mit dem Einmeißeln der Namen im Dicken Turm und an der Königsmauer, ein Stück Literatur- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts in Stein zu verewigen.

Mit dieser Idee hat Theobald Kerner eine Kultstätte geschaffen, die die gesamte geistige Bandbreite der Romantik abdeckt:  Geschichte und Literatur, Geschichte und Kunst im weitesten Sinne und auf einzigartige Weise Natur und Mensch miteinander zu verbinden und dem Besucher das Eintauchen in die geistige Welt des 19. Jahrhunderts zu ermöglichen, ihn die Großartigkeit, die Erhabenheit von Natur und Landschaft erleben zu lassen. Theobald Kerner hat damit auch die Grundlagen für den Weinsberger Fremdenverkehr gelegt.

 

Mit dem Steinernen Album erhält die Ruine nicht nur ein zweites Leben, sondern ein Merkmal ganz besonderer Art: Auf ein historisches Denkmal wird auf ungewöhnliche Weise aufmerksam gemacht.

Das gleiche sollte auch mit dem Kernerhaus geschehen. Man musste es stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück holen, auf die kulturhistorische Stätte aufmerksam machen, auf die Bedeutung, die Ausstrahlung und die besondere Rolle des Hauses im geistigen Leben Württembergs und der Stadt Weinsberg hinweisen.

Der hochbetagte Theobald besinnt sich auf seine Erzählkunst und veröffentlicht 1894 „Das Kernerhaus und seine Gäste", bis heute ein viel gelesenes Buch: spannend, informativ und unterhaltsam. Das Buch ist weit mehr als eine Sammlung spannender Geschichten. Es ist Kommentar und Ergänzung zum Steinernen Album. (Siehe  „Publikationen“ )

Dazu zählt auch das von Theobald herausgebrachte Werk „Justinus Kerner- Briefwechsel mit seinen Freunden", eine Auswahl von 860 Briefen von 155 Persönlichkeiten, eine Auswahl aus über 3000 Briefen von und an Justinus Kerner.

Beide Veröffentlichungen erscheinen in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts und sollen auf die Bedeutung des Kernerhauses als Kulturstätte und die Burgruine als geschichtsträchtigen Ort und sichtbarstes Wahrzeichen der Stadt aufmerksam machen. Sie bewirken auch den Beginn des Nachdenkens über die Zeit nach Theobald.