Vereinsmitteilungen

Schon seit Jahrzehnten gibt der Doppelverein in der Regel in zweijährigem Turnus seine "Mitteilungen" heraus. In dem etwa 30 bis 40 Seiten umfassenden Heftchen informiert die Vereinsleitung ihre Mitglieder über die Geschehnisse im zurückliegenden Zeitraum, sowie auch über in die Zukunft gerichtete Planungen.

Nachstehend Auszüge aus Heft 29 der "Mitteilungen" der Jahre 2010/2011

Grußwort des Vorstands
… die Arbeit wird uns nie ausgehen …
Mit Kernerhaus und Museum, dem Alexanderhäuschen, den Gärten und der Burg wird uns die Arbeit gewiss nicht ausgehen. Gefordert sind hoher ehrenamtlicher Einsatz aber auch die Bewältigung hoher Kosten.
Im Kernerhaus werden derzeit verschiedene Dinge im technischen Bereich überprüft und auch  gewisse Rückstände nach und nach beseitigt. Das Gebälk des Schweizerhauses ist mittlerweile durch Wind und Wetter wieder in Mitleidenschaft gezogen und muss gerichtet werden. Das Museum soll behutsam aktualisiert werden. Auf der Burg stehen wir in den nächsten zwei bis drei Jahren vor umfangreichen Mauersanierungen.

… und das Geld darf nie ausgehen
Wir müssen sehr gut unterscheiden, was absolut notwendig ist und wo wir etwas nach hinten schieben können. Wir sind leider nicht in einem Wettbewerb der Ideen sondern vielmehr in einem Wettbewerb der Notwendigkeiten. Bei der Sicherheit werden wir keinerlei Kompromisse eingehen. Manches müssen wir auch tun, weil es helfen könnte, unserem Verein die Zukunft zu sichern.

… wir richten unseren Blick etwas weiter in die Zukunft
Der Ausschuss hat in 2010 begonnen, die Aufgaben sukzessive zu erfassen und Themen nach und nach festzuschreiben, die uns regelmäßig oder absehbar beschäftigen, damit diese in einen mehrjährigen Arbeits- und Haushaltsplan überführt werden können. Die gewissenhafte Schriftführung von Herrn Deininger ist hierfür bester Garant. Wir wissen, dass uns leider immer wieder Dinge unangenehm überraschen werden. Das ist bei der reizvollen alten Gebäudesubstanz so. Aber wir wollen daran arbeiten, dass dies immer seltener vorkommt.

… und wir leben momentan auch von den kleinen Erfolgen
Geht man mit offenen Augen durch das Haus, die Gärten und die Burg, dann sticht einem das Notwendige unmittelbar ins Auge. Wir arbeiten daran. Es ist aber auch schön zu sehen, dass der Scheinwerfer, welcher das Schweizerhaus beleuchtet, und der seit Jahren durch einen Kurzschluss außer Betrieb war, wieder funktioniert. Im Kernerhaus wurden Pinwände angebracht und der Büchertisch neu gestaltet. Die Heizung in den oberen Stockwerken des Kernerhauses funktioniert wieder und der hintere Treppenausgang wurde gerichtet. Die Alarm- und Brandmeldeanlage wurde überprüft und wo notwendig wieder instandgesetzt. Die Klimaanlage wird derzeit gerichtet und justiert. Die ausgefallenen Hygrometer für das Museum werden in Abstimmung mit der Landesstelle für Museumsbetreuung voraussichtlich im Herbst ersetzt. Herrn Feyhl sind wir hier zu großem Dank verpflichtet. Vor allem, wenn wir wissen, was noch vor uns liegt. Die Fenster des Kernerhauses sollen neu gestrichen werden, der Flaggenmast am Geisterturm steht noch an, ebenso wie diverse Pflegemaßnahmen im Garten usw.
Für den Außenauftritt verwendet der Verein mittlerweile einheitlich das von Peter Röck entworfene Logo. Der hier eingeschlagene Pfad soll sukzessive weiterverfolgt werden.
… die großen Dinge haben Sie ja sowieso alle bemerkt
Im Jahr 2010 wurde der Geisterturm gerichtet, die Fenster werden demnächst überarbeitet. Die Zuschüsse hierfür sind bewilligt. Auf der Burg wurden die Entsalzungsversuche gestartet und die Ausstellung der Herren von Weinsberg, eine enorme Leistung von Herrn Wiedmann mit Unterstützung durch Herrn Maier wurde fertiggestellt. Im Kernerhaus wurde die Kassettendecke im Schweizerhaus restauriert. Es geht weiter mit dem Giebel, dem Gebälk und dem Balkon des Schweizerhauses.
Renate Lindner-Klodt, Matthias Weller und den vielen fleißigen Helfern sind auch in jüngster Zeit wieder hervorragende Veranstaltungen gelungen.

… wir bewahren, was uns anvertraut wurde und geben (ganz schwäbisch) nichts her, wenn es nicht unbedingt sein muss.
Aktuell sind wir mit der Inventur aller Nachlassgegenstände befasst. Es handelt sich um rund 2.500 Gegenstände und die erste Kontrolle seit 1989. Und da wir den Aufwand eh schon betreiben müssen, so wollen wir auch gleich den Sprung in die EDV schaffen. Das Inventar wird in einem Softwareprogramm erfasst, das von der Landesstelle für Museumsbetreuung kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Inventurkarten, die in den Jahren 1988/1989 mit größter Sorgfalt erfasst wurden, werden selbstverständlich parallel weitergeführt.
Im Jahr 2010 stand auch das Grundstück des Vereins am Hinteren Burgberg zur Debatte. Die Naturschutzbehörde hat dort mittlerweile ein Biotop ausgewiesen. Der Ausschuss hat hierzu intensiv beraten und ist nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Verkauf des Grundstücks die Situation des Vereins aktuell weder verbessert noch verschlechtert. Der Status Quo wurde beibehalten.

… wir schließen wieder in das Internet-Zeitalter auf
Dr. Dorothee Ritter und Peter Röck haben mit einem ungeheuren Engagement und sehr hohem zeitlichen Aufwand wieder eine Internetseite für den Kerner- und Frauenverein erstellt. Rufen Sie die Internet-Seite mit justinus-kerner-verein.de auf und schauen Sie mal rein. Es lohnt sich.

…. und haben dennoch noch viel zu tun
Wir müssen feststellen, dass wir mit der Kommunikationstechnik im Kernerhaus schlecht aufgestellt sind. Das Fax ist massiv altersgeschwächt, einen Internet-Anschluss oder eine eMail-Adresse gibt es nicht. Ähnlich verhält es sich auf der Burg. Wir müssen ausloten, wie wir uns auch hier auf einen Stand bringen können der zeitgemäß und gleichermaßen kostenverträglich ist. Nicht vergessen dürfen wir, dass wir immer noch jemanden brauchen, der dann all die Technik bedient.

… und sind dankbar, dass uns Wohlwollen entgegengebracht wird
Der Verein hat einen sehr großen Kreis an Förderern, die mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung über so manche Hürde hinweghelfen oder uns ermuntern, die nächste Hürde doch in Angriff zu nehmen.
Wir danken vielen Spendern und Sponsoren, wir danken der Arbeitsstelle für literarische Museen in Marbach und der Denkmalstiftung sowie der Landesdenkmalpflege.
Es freut uns, dass sich auch im letzten Jahr wieder neue Mitglieder unseren Vereinen angeschlossen haben und so die Aufgabenerfüllung des Vereins unterstützen.

… und wir haben immer wieder … Glück !
Wir hatten im Jahr 2010 eine äußerst erfreuliche Zeit mit Herrn Andreas Ehrmann als Burgwart. Die Belebung der Burg war förmlich zu spüren. Herrn Ehrmann war es leider nicht möglich, die Tätigkeit als Burgwart dauerhaft fortzuführen.
Die Gästeführer, insbesondere Herr Fabian haben in der Zeit, als die Burg nicht besetzt werden konnte, immer wieder auf der Burg die Aufgaben des Kassiers übernommen. Dem Verein konnten so wichtige Ein¬nahmen gesichert werden. Wir sind dafür sehr dankbar.
Es war dann schön festzustellen, dass wir für die Stelle des Burgwarts sehr kompetente Bewerber hatten. Das „Burgwart-Gremium“ (Toni Auderer, Thomas Schuhmacher und Manfred Wiedmann) hat sich letztlich für Nicole Drauz entschieden. Wir sind sehr guter Hoffnung, dass es Frau Drauz gelingt, den Kiosk auf der Burg attraktiv zu betreiben.
Herrn Göbbel und Herrn Dr. Liebig gelingt es mit Veranstaltungen und Führungen, die Besucherzahlen für das Kernerhaus auf einem hohen Niveau zu halten und teilweise sogar auszubauen. Neben den finanziellen Mitteln, die wir hierdurch erlösen können wächst vor allem das Bewusstsein über Kerners Wirken bei den Besuchern – damit erfüllen wir unsere wichtigste Aufgabe.


Gruß des Ehrenvorsitzenden
Sehr geehrte, liebe Vereinsmitglieder,
auch hier in den Mitteilungen des Justinus-Kerner-Vereins und Frauenvereins Weinsberg e.V. will ich mich von Ihnen verabschieden. Einen Rückblick auf das Vereinsgeschehen in der Zeit vor den Neuwahlen 2009 habe ich bei der Mitgliederversammlung im September 2009 gegeben. Ausführlich wird darüber im Jahrbuch 2009 für die Stadt Weinsberg berichtet /S.241ff).
Aus Altersgründen habe ich den Vorsitz im Verein in die Hände eines jüngeren abgegeben. Ich bin dem neuen Vorsitzenden Matthias Klatte dankbar, dass er diese Aufgabe übernommen und mit viel Engagement die Neustrukturierung des Vereins vorbereitet und durchgeführt hat. Ich wünsche ihm und allen Ausschussmitgliedern die nötige Kraft und Begeisterung für die vielfältigen Aufgaben im Dienste Justinus Kerners und Weinsbergs.
Dabei spielt Ihre Mithilfe und Unterstützung eine bedeutende Rolle, sehr geehrte Vereinsmitglieder. Ich danke Ihnen, dass Sie mir diese immer zukommen ließen und bitte Sie, dies auch weiterhin für den Verein und alle Aktiven zu tun. Dabei denke ich nicht nur an finanzielle Beiträge, eine Aufforderung an Freunde und Bekannte, den Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg e.V. zu unterstützen oder ihm beizutreten ist genauso hilfreich zur Bewältigung der zahlreichen Anforderungen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie an den Aktivitäten des Vereins und beim Besuch der vereinseigenen Burgruine Weibertreu, des Kernerhauses und des Alexanderhäuschens viel Freude haben und dass Sie sich, wenn Sie das großartige spätklassizistische Kernerdenkmal betrachten, gerne an den bedeutendsten Bürger Weinsbergs erinnern lassen.
Mit den besten Wünschen für Sie und herzlichen Grüßen
Emil Englert
 
Aufgaben
Die Baudenkmäler Burgruine Weibertreu, Kernerhaus und Alexanderhäuschen, Kernerdenkmal und Geisterturm prägen Weinsberg und machen die Stadt weit über Baden-Württemberg hinaus bekannt. Da sie sich ausschließlich im Eigentum des Justinus-Kerner-Vereins und Frauenvereins befinden, obliegen diesen beiden Vereinen auch der Schutz und die Erhaltung dieser Denkmale.
Daneben führen die beiden Vereine auch Vorträge und Veranstaltungen durch, die das Werk Justinus Kerners und seines Freundeskreises sowie kulturelle Schöpfungen zugänglich machen.

Rückblick 2010
Zuordnung der Aufgaben
Unter den Mitgliedern des Ausschusses wurden die Aufgaben in einzelne Bereiche aufgeteilt, um auf dieser Basis das gegenseitige Verständnis und weitere Ideen für die Gestaltung der Vereinsarbeit zu entwickeln.
Die einzelnen Bereiche gestalten sich wie folgt:
Bereich 1:     Der Verein – Allgemeine Verwaltung, Finanzen, Kontakte, Schriftführung, Protokolle, Geschäftsführung  
Bereich 2:     Kerner und das Museum im Kernerhaus, Literatur im Zusammenhang mit Kerner und den Vereinen / Schulen
Bereich 3:    Veranstaltungen
Bereich 4:    Bauten

Festlegung Verwendung Logo
Um ein einheitliches Erscheinungsbild des Vereins zu pflegen, wurde ein Logo (Kerners Kopf) entwickelt, das auf allen Briefköpfen, Beitrittserklärungen, Anzeigen, Beiträgen in der Presse, Fahnen usw. verwendet wird.

Aufarbeitung Internet
Ab sofort kann im Internet die homepage des Vereins unter www.justinus-kerner-verein.de aufgerufen werden. Außerdem ist der Verein unter info@justinus-kerner-verein.de zu erreichen. Diese Mammutaufgabe wurde von Dr. Dorothee Ritter und Peter Röck bewältigt.

Koordinierung Weibertreu-Festspiele
Im Sommer 2010 veranstaltete der Theaterverein wieder seine Burgfest¬spiele auf der Weibertreu. Diese inzwischen fest zu Weinsbergs Veranstaltungsreihe gehörenden Festspielwochen vor der romantischen Kulisse der Burgruine sind einer der Jahreshöhepunkte im Weinsberger Kulturprogramm. Dazu waren zwischen dem Verein und den Verantwortlichen des Theatervereins umfangreiche organisatorische Dinge abzuklären, denn der Denkmalschutz einerseits und die großen Besucherzahlen andererseits waren dabei zu berücksichtigen.

Burgwart Ehrmann
Mit Ende der Saison 2010 musste unser Burgwart Andreas Ehrmann aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit als Burgwart schweren Herzens aufgeben. Wir danken ihm für seinen großen, mit viel Liebe und Herzblut geleisteten Einsatz auf der Burg Weibertreu  und wünschen Andreas Ehrmann alles Gute für seine Zukunft. Ab der neuen Saison 2011, hat Frau Nicole Drauz aus Weinsberg mit ihrer Familie die Stelle als Burgwartin angetreten. Wir wünschen ihr viel Freude bei ihrer Aufgabe und freuen uns auf eine gute gemeinsame Zusammenarbeit.

Gebäudeunterhaltung

Kernerhaus
Im Frühstückszimmer wurden die Decke und die Wände restauriert. Von der kassettenartigen Holzdecke wurde der Dispersionsanstrich entfernt und dabei eine schablonenartige Bemalung festgestellt. Der gesamte Untergrund wurde auf Zellulosebasis gefestigt und anschließend die vorhandenen Fehlstellen retuschiert. Eine Schlussbehandlung erfolgte mit Harzfarben wobei die blütenartige Bemalung ergänzt wurde. Die Kosten beliefen sich auf 14.000 €.
    
Alexanderhäuschen
Größere Unterhaltungsarbeiten fallen erst wieder im Jahr 2012 an. Die Vermietung des Gebäudes an  Außenstehende für kleinere Feiern u.ä. läuft zufriedenstellend.

Geisterturm
Die Sandsteinaußenwände wurden saniert, indem das Abschiefernde entfernt, das Mauerwerk gefestigt und die Fugen teilweise erneuert wurden. Zum Schutz der Abdichtungsbahnen auf dem Turm  wurde ein Plattenbelag aus Recyclingmaterial verlegt. Die Kosten beliefen sich auf 24.000 €

Burgruine Weibertreu
Die stark versalzenen Schilfsandsteine der Ringmauer am Burgeingang wurden über Kompressenauflagen bis zu einem bestimmten Grad entsalzt, da der ursprüngliche Salzgehalt in den Analysen so hoch war, dass ein Steinfestigungsmittel für das Mauerwerk hätte aus Erfahrung nicht wirksam abbinden und reagieren können. Die Steinfestigungsversuche wurden mit parallel laufenden Bohrwiderstandsmessungen im Herbst durchgeführt. Nach der Reaktionszeit des Steinfestigers von mindestens zwei Monaten und bei entsprechenden Witterungsverhältnissen wird die Festigungszunahme mittels weiterer Widerstandsmessungen bestimmt.

 

Altbekanntes über Justinus Kerner
- aber interessant für Neumitglieder und solche, die es werden wollen

In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 1862  starb der Weinsberger Oberamtsarzt  und romantische Dichter Justinus Kerner in seinem Haus am Fuße der Weibertreu. Geboren wurde er am 18. September 1786 in Ludwigsburg, wo sein Vater Oberamtmann war.  In das Jahr 2011 fällt damit der 225. Geburtstag und in das Jahr 2012 der 150. Todestag.
Bevor Kerner im Jahre 1819 nach Weinsberg kommt, hatte er bereits mehrere Arztstellen inne: Dürrmenz, Wildbad, Welzheim und Gaildorf. Erst in Weinsberg hatte er den Ort gefunden, an dem er sich wohl fühlte und der seinem Naturell entsprach. Land und Leute, Heimat und Geschich¬te waren ihm immer ein Anliegen. Die Weibertreubegebenheit von 1140 und der erste Staufer, die Weinsberger Ereignisse aus dem Bauernkrieg von 1525 und die Burgruine machten ihn zum Heimatforscher und Denkmalpfleger. Mit der Gründung des Weinsberger Frauenvereins zur Erhaltung der Burgruine 1823 rettet er diese vor dem völligen Verfall und macht sie als Ausflugsziel und Erinnerungsstätte der Allgemeinheit zugänglich. Es gibt kaum eine Persönlichkeit, die den Ort ihres Wirkens so nachhaltig geprägt hat.
Mit dem Bau seines Hauses hat Kerner einen Anziehungspunkt geschaffen, dessen Attraktivität bis heute kaum etwas eingebüßt hat. Professor Bernhard Zeller, langjähriger Direktor des Marbacher Literaturarchivs, hat dies wie folgt begründet:
„Es gibt keine vergleichbare Stätte literarischer Erinnerung in unserem Lande, die wie dieses Haus, nahezu ohne Veränderung, ohne Eingriffe, ohne ein zweckentfremdendes Zwischendasein, in museale Form überführt werden konnte und damit eine in sich ungebrochene Kontinuität aufweist.“
Um den Stellenwert des Hauses und auch Kerners für Weinsberg und seine Geschichte begreifbar zu machen, werfe man einen Blick in den von Fritz-Peter Ostertag und Rolf Becker herausgegebenen Band „Weinsberg, Bilder aus seiner Vergangenheit“  um zu erahnen, wie es unterhalb der Hauptstraße in der kleinen Oberamtsstadt Weinsberg überhaupt aussah.
Als Kontrast dazu der Grasige Hag mit Kernerhaus, der imposanten Johanneskirche, dem Geisterturm, Reste der alten Stadtmauer und ganz oben auf dem Burgberg die Ruine Weibertreu. Justinus Kerner hat diesen Bereich zu einer „kleinen Kulturmeile“ gemacht voller Symbolik und Geschichte.  Er hat dafür gesorgt, dass zahlreiche Dichter, Künstler, bedeutende Persönlichkeiten  seiner Zeit – aber auch einfache Leute – Geschichte und Geschichten von und über Weinsberg künstlerisch verarbeiteten oder auch nur weitererzählten und auf diese Weise den Namen der Stadt, die hier stattgefundenen Ereignisse in aller Welt bekannt gemacht haben. Zu verdanken hat man es ihm, dem Arzt und Dichter. Mit ihm und durch ihn ist das Städtchen im Wesentlichen das heutige Weinsberg geworden. Kerner hat die Bedeutung seines Hauses für die Nachwelt und für ihn persönlich richtig eingeschätzt. Er wünschte sich in und mit  seinem Haus in der Erinnerung der Nachwelt zu bleiben. Er hat seinem Sohn Theobald das Haus als bleibendes Vermächtnis anempfohlen. Diesem Wunsch ist Theobald nachgekommen. Er war nicht nur Hüter und Bewahrer sondern auch Vollender des Vermächnisses seines Vaters. Er hat auf der Burgruine das einzigartigste „Buch der Romantik“ , das Steinerne Album, entstehen lassen und das Haus in die Obhut des Kernervereins gegeben, damit die Wirkungsstätte Justinus Kerners und sein Andenken erhalten bleiben. Der Doppelverein kommt diesem Auftrag seit über hundert Jahren nach. Er tut es stellvertretend fürs gesamte Gemeinwesen, obwohl sich die ganze Bürgerschaft verpflichtet fühlen sollte, denn Kerners materielle und geistige Hinterlassenschaften sind Weinsbergs Sehenswürdigkeiten von heute.


Zur Symbolik des Kernerdenkmals

Das Kernerdenkmal wurde im neoklassizistischen Stil im Jahre 1865 errichtet. Der Entwurf stammte von dem Stuttgarter Professor Eduard Herdtle, die Ausführung von Professor August von Beyer, ein Architekt aus Stuttgart.
Es ist hervorragend gelungen, das Wesen, den Charakter, die Persönlichkeit Kerners aussagekräftig und eindrucksvoll in Symbolen zusammenzufassen.
Mit dem Denkmal hat der langjährige Hüter und Bewahrer des Kernerhauses, Theobald Kerner, ein in Stein gemeißeltes und in Eisen gegossenes Buch über seinen Vater Justinus Kerner entstehen lassen: den Philosophen, den Christen, den Arzt  und Menschen und auch den Dichter.
Eindrucksvoll haben Professor Herdtle und Professor von Beyer Kerners Persönlichkeit künstlerisch gestaltet. Ein „Steinernes Album“ für Justinus Kerner, lange bevor Theobald auf der Burg eines für den großen Freundeskreis seines Vaters einmeißeln ließ. Theobald Kerner gebührt ein großes Lob, dass er die Pläne König Ludwig I. von Bayern nicht hat umsetzen lassen.
„Ein bronzenes Standbild auf hohem Postament stehend, vom Kopf bis zu den Hosen und Stiefeln herab kunstvoll ausgeführt und die moderne, unschöne Kleidung mit einem wallenden Mantel, wie ihn der Lebende nie getragen, trappiert, - solche Verewigungen taugen nur für Generale und andere, schon im Leben hochgestellte Personen, bei einem Dichter und Schriftsteller soll nur der Kopf zur Geltung kommen…“
Das Denkmal hebt sich durch seine Architektur und Symbolik von dem Umfeld, in dem es steht, angenehm ab. Die Klarheit und Strenge der Gliederung, die Sparsamkeit der bauplastischen Ausstattung, Gradlinigkeit, monumentale Ruhe und eine Gesetzmäßigkeit der Verhältnisse sind bis heute ein optischer Blickfang und machen den Platz vor dem Kernerhaus zu etwas ganz Besonderem.


Kernerverein erhält zwei wertvolle Ölporträts

Mit zwei Ölporträts von Johann Georg Kerner und seiner Gattin, einer Zeichnung Justinus Kerners von der Schwiegertochter Marie und der Handschrift des Gedichtes „Die echte Träne“ sind die letzten Kernernachlässe aus England wieder zurück im Kernerhaus. Begonnen hatten die Nachforschungen bereits 1985. Bei den Vorbereitungen für das Kernerjahr 1986, dem 200. Geburtstag von Justinus Kerner und der Neugestaltung des Kernerhauses , wurde nach dem verschollenen Nachlass der Witwe Theobald Kerners, Else Mathilde Kerner, gesucht.
Die Spur führte nach Baden-Baden, wo bis 1936 ein Kerner Nachfahre lebte. Bei diesem Justinus Kerner und seiner Frau wohnte Else Kerner nach dem Tode Theobalds. Ein zweiter Hinweis war die Veröffentlichung von 108 Briefen von Justinus Kerner an Graf Alexander von Württemberg aus den Jahren 1830 – 1845 durch die English Goethe Society in Cambridge im Jahre 1938. Nach langwierigen Recherchen gelang es, den Erben der Briefe ausfindig zu machen, Derek Hudson, hochbetagt in London lebend. Derek Hudson ist Nachfahre eines Onkels, eines Vaterbruders von Justinus Kerner. Seine Großmutter Mathilde, geb. Kerner ist die Tochter des bekannten Frankfurter Chemikers Dr. Georg Kerner, der 1986 eine viel beachtete Rede im Kernerhaus gehalten hat und Verfasser einer Kerner-Chronik ist. Seine Tochter emigrierte in den 1880er Jahren mit ihrem Mann Fritz Rommel nach England. Seitdem lebt der Familienzweig Kerner / Rommel / Hudson / Jessel auf der Britischen Insel.   
In einem Brief vom 23. November 1985 an Hans Göbbel, der damals die Nachforschungen führte, bestätigte Derek Hudson die Existenz der Briefe, welche er 1936 von seinem Großonkel Justinus Kerner aus Baden-Baden geerbt hatte. Am 18. September 1886, dem 200. Geburtstag von Justinus Kerner und der Eröffnung des neu gestalteten Kernerhauses übergaben Frau Katherine Jessel, Tochter von Derek Hudson und ihr Mann Christopher dem Kernerverein die wertvollen Briefe. Durch einen glücklichen Zufall wurde auf dem Dachboden der Hudsons noch ein alter Koffer gefunden mit dem gesamten Nachlass von Theobalds Witwe Else. Auch diesen wertvollen Fund schenkte die Familie Hudson-Jessel dem Kernerverein. Dass sich noch weitere Kerneriana in England befinden war dem Verein nicht bekannt, bis vor ein paar Monaten Frau Katherine Jessel dem damaligen Vereinsvorsitzenden Emil Englert mitteilte, dass ihr Onkel Robert Cecil Hudson zwei große wunderbare Ölporträts von Kerners Vorfahren besitze, die er gerne, vorerst, dem Verein als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen möchte. Frau Jessel teilte auch mit, dass sie persönlich für Transport und Versicherung der wertvollen Fracht aufkommen werde. Einzige damit verbundene Bedingung: Die beiden Bilder sollen im Kernerhaus ausgestellt werden.
Mit den beiden Ölporträts, die heute im Obergeschoss des Kernerhauses hängen und Kerners wertvolle Kunstsammlung vervollständigen, sind die letzten „Kerner-Stücke“ nach über siebzig Jahren wieder zurück im Kernerschen Haus: über 100 Briefe, der Nachlass Else Kerner, zwei wertvolle Ölporträts, großzügige Geschenke der Familie Hudson-Jessel von unermesslichem Wert für den Verein. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Katherine Jessel hätten die kostbaren Kerner-Sachen den Weg von der britischen Insel nach Weinsberg nie gefunden.
                
 
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