Neuerwerbungen

Kernerverein erhält zwei wertvolle Ölportraits

Mit zwei Ölportraits von Johann Georg Kerner und seiner Gattin, einer Zeichnung Justinus Kerners von der Schwiegertochter Marie und der Handschrift des Gedichts "Die echte Träne" sind die letzten Kernernachlässe aus England wieder zurück im Kernerhaus. Begonnen hatten die Nachforschungen bereits 1985. Bei den Vorbereitungen für das Kernerjahr 1986, dem 200. Geburtstag von Justinus Kerner und der Neugestaltung des Kernerhauses, wurde nach dem verschollenen Nachlass der Witwe Theobald Kerners, Else Mathilde Kerner, gesucht.

Die Spur führte nach Baden-Baden, wo bis 1936 ein Kerner Nachfahre lebte. Bei diesem Justinus Kerner und seiner Frau wohnte Else Kerner nach dem Tode Theobalds. Ein zweiter Hinweis war die Veröffentlichung von 108 Briefen von Justinus Kerner an Graf Alexander von Württemberg aus den Jahren 1830-1845 durch die English Goethe society in Cambridge im Jahre 1938. Nach langwierigen Recherchen gelang es , den Erben der Briefe ausfindig zu machen, Derek Hudson, der hochbetagt neben London lebte. Derek Hudson ist Nachfahre eines Onkels, eines Vaterbruders von Justinus Kerner. Seine Großmutter Mathilde geborene Kerner ist die Tochter des bekannten Frankfurter Chemikers Dr. Georg Kerner, der 1886 eine viel beachtete Rede im Kernerhaus gehalten hat und Verfasser einer Kerner-Chronik ist. Seine Tochter emigrierte in den 1880er Jahren mit ihrem Mann Fritz Rommel nach England. Seitdem lebt der Familienzweig KernerlRommellHudson/Jessel auf der britischen Insel.

In einem Brief vom 23. November 1985 an Hans Göbbel, er führte damals die Nachforschungen, bestätigte Derek Hudson die Existenz der Briefe, die er 1936 von seinem Großonkel Justinus Kerner aus Baden­Baden geerbt hatte. Am 18. September 1986, am 200. Geburtstag von Justinus Kerner und der Eröffnung des neugestalteten Kernerhauses übergaben Frau Katherine Jessel, Tochter von Derek Hudson und ihr Mann Christopher dem Kernerverein die wertvollen Briefe. Durch einen glücklichen Zufall wurde auf dem Dachboden der Hudsons noch ein alter Koffer gefunden mit dem gesamten Nachlass von Theobalds Wirtwe Else. Auch diesen wertvollen Fund schenkte die Familie Hudson-Jessel dem Kernerverein. Dass sich noch weitere Kerneriana in England befinden, war dem Verein nicht bekannt, bis vor ein paar Monaten Frau Katherine Jessel Emil Englert, dem damaligen 1. Vorsitzender des Kernervereins, mitteilte, dass ihr Onkel Robert Cecil Hudson zwei große, wunderbare Ölportraits von Kerner Vorfahren besitze, die er gerne, vorerst, als Dauerleihgabe, dem Verein zur Verfügung stellen möchte. Frau Jessel

teilte auch mit, dass sie persönlich für Transport und Versicherung der wertvollen Fracht aufkommen werde. Einzige Bedingung: die Bilder sollen im Kernerhaus ausgestellt werden.

Mit den beiden Ölportraits, die heute im Obergeschoss des Kernerhauses hängen und Kerners wertvolle Kunstsammlung vervollständigen, sind die letzten "Kerner-Stücke" nach über siebzig Jahren wieder zurück im Kernerschen Haus: über hundert Briefe, der Nachlass Else Kerner, zwei wertvolle Ölportaits, großzügige Geschenke der Familie Hudson-Jessel von unermesslichem Wert für den Verein. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Katherine Jessel hätten die kostbaren Kerner-Sachen den Weg von der britischen Insel nach Weinsberg ins Kernerhaus nie gefunden.

 

Der Erwerb eines Nachlasses
aus dem Besitz von Theobald Kerners Sohn Dr. Georg Kerner aus Wehr in Baden war für den Verein ein
Glücksfall. Die Auswertung des Nachlasses ermöglicht neue Erkenntnisse und Einblicke in die Kerner' sche Familiengeschichte und ist vom Umfang her beeindruckend: über 800 Handschriften, Postkarten
und Fotos. Neben zahlreichen Briefen von Theobald Kerner an seinen Vater und seinen Sohn Georg enthält der Nachlass auch Briefe von Theobald an seine Frau Marie aus der Zeit seiner Festungshaft auf dem Asperg, aber auch Briefe von Eduard Mörike und seiner Frau an Theobald Kerner. Neben zahlreichen Urkunden, Zeugnissen, Ehrenbekundungen beeindruckt eine schön gestaltete Mitgliedskarte des Stuttgarter Liederkranzes: Justinus Kerners Ehrenmitgliedskarte. Unter den zahlreichen Briefen befindet sich auch ein ganz besonderes Schreiben: Ein Brief aus Leipzig von August Bebel an Theobald, datiert 21.01.1870. Bebel nimmt in dem Brief Bezug auf einen Kalender von Theobald.

" Verehrter Freund und Gesinnungsgenosse!

Wie findet Ihr Kalender Absatz? Ich hatte aus dem Gefängnis eine Notiz
noch über ihn geschrieben und sie Liebknecht zugesandt, dieser aber
hat sie, wie ich nachträglich erfuhr, nicht erhalten. Als ich aus dem
Gefängnis kam, hatte ich im Drange der Arbeiten ehrlich gestanden,
vergessen noch was drüber zu schreiben, ich werde
es aber sobald ich
zurück bin nachholen ..... Sie haben dem Kalender
so kräftige
Kernsprüche einverleibt, dass er, wenn im "Intelligenzstaat" die Polizei
ihn erwischt, sicher confisziert wird. Eine bessere Empfehlung gebe
es
allerdings nicht.

Freundlichst grüßt
Ihr

A. Bebe!"