Das Kernerdenkmal

Das Kernerdenkmal
Das Kernerdenkmal: Sockel mit Raupe, Puppe und Schmetterling

Kurz nach dem Tod Justinus Kerners 1862 hatte sich in Weinsberg ein Komitee zur Errichtung eines Kernerdenkmals gegründet. Es sollte im Innern der Burg errichtet werden. Theobald lehnte dies ab:

"Nichts da! Da spielte ich eine Rolle als wäre
ich der Gockeler der treuen Weiber von
Weinsberg gewesen, und dem alten Gebiß der
Weibertreu darf man mich nicht als Zahn
einsetzen."

Theobald Kerner erinnerte sich an die Worte seines Vaters, als sein Freund Heideloff zu ihm sagte:
"Auf der Weibertreu muß einmal ihr Denkmal stehen!"

Theobald Kerner erreichte, daß ihm die Wahl des Platzes überlassen wurde. Er wählte einen Standort in unmittelbarer Nähe des Kernerhauses und kauf­te 1864/65 das betreffende Grundstück, den "Denk­malgarten ", auf. Den Entwurf für das Denkmal schuf der Bildhauer Professor Eduard Herdtle.

Dann bat König Ludwig I von Bayern, ihm die Pläne des Denkmals einzureichen.Er ließ antworten, dass er mit dem Denkmal nicht einverstanden sei. Er wolle auf eigene Kosten Justinus Kerner ein Denkmal setzen lassen, die Ausführung müsse aber einem bayrischen Künstler überlassen werden. Die Antwort Theobalds lautete:

"Ein bronzenes Standbild auf hohem Postament stehend, vom Kopf bis zu den Hosen und Stiefeln herab kunstvoll ausgeführt und die moderne, unschöne Kleidung mit einem wallenden Mantel, wie ihn der Lebende nie getragen, trappiert, - solche Verewigungen taugen nur für Generale und andere, schon im Leben hochgestellt Personen, bei einem Dichter und Schriftsteller soll nur sein Kopf zur Geltung kommen..."

Es blieb beim Entwurf Herdtle (Zeichner und Bildhauer) und dem großen von ihm in Bronze gegossenen Medaillon mit einem Kopfrelief Justinus Kerners. Die künstlerische Aus­führung lag in den Händen von Professor August von Beyer (geb. 30.4.1834 in Künzelsau, gest. 18.4.1899 in Ulm), erfolgreicher Architekt in Stuttgart und Professor. Bauten: Pragfriedhof, Hotel Marquardt, Königin Olga Stift, Reichsbankgebäude, er hat Kloster Bebenhausen restauriert und von 1888-1895 an der Kilianskirche in Heilbronn gearbeitet.1880 wurde er zum Münsterbaumeister nach Ulm berufen. Dort vollendete er 1893 den Bau des Turms des Ulmer Münsters.

Am 18. Oktober 1865 fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt.

Bei einer Spenden­sammlung waren zuvor 3.000 Gulden eingegangen, die eine schuldenfreie Herstellung des Denkmals ermöglichten.

Später ließ Theobald Kerner dem Denkmal noch zwei Bronzeplatten einfügen.

 

Bedeutung der einzelnen Teile des Denkmals

Aussage des Landesdenkmalamtes:
Das Kernerdenkmal dokumentiert sehr anschaulich die spätklassizistische Formensprache in der Bildhauerkunst; es stellt ein Kulturdenkmal gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz aus künstlerischen, wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen dar.

Aussage Hans Göbbel:
Die Klarheit und Strenge der Gliederung, die Sparsamkeit der bauplastischen Ausstattung, Gradlinigkeit,  monumentale  Ruhe und eine Gesetzmäßigkeit der Verhältnisse sind bis heute ein "optischer Blickfang" und machen den Platz vor dem Kernerhaus zu etwas ganz Besonderem!
Wir können sozusagen in das Denkmal eintreten wie in einen griechischen Tempel. Zwei Säulen rahmen das großartige Portal ein und drinnen fällt uns sofort das in Eisen gegossene Medaillon des Dichters auf.
Die Symbole an den Seitenwänden und die Texte in der Mitte verraten uns einiges über Kerners Persönlichkeit.Das Denkmal ist eine Art „Steinernes Album“, ein Buch über Justinus Kerner in seiner Vielseitigkeit.
Diese wird am prägnantesten formuliert in der Urkunde der Universität Tübingen zum 50-jährigen Doktorjubiläum Justinus Kerners im Dezember 1858 wiedergegeben    unter dem Medaillon:

Aegrotorum solatium, daemonum flagellum,          Der Leidenden Trost, der Dämonen Geißel     Musarum deliciae, dulce patriae decus.                  Der Musen Vergnügen, des Vaterlands
                                                                            wonnige Zier

Auf der linken Seite:
Raupe, Puppe, Schmetterling – Symbol der Metamorphose. Kerner gebrauchte das Symbol  für seinen Glauben an ein Zwischenreich der Seelen.
In der Metamorphose fällt immer das unterste Glied weg, während oben ein anderes  sich ansetzt.

In seiner „Seherin von Prevorst“ erläutert Kerner die Idee eines Zwischenreiches wie folgt:
„So mag es einen Himmel geben für die Gerechten und Heiligen und eine Hölle für die Ungerechten und Gottlosen, aber der größte teil der Menschen scheint doch nach dem Tode im Zwischenreich hängen zu bleiben.“

Auf der rechten Seite:
Äskulapstab (Stab mit Schlange)  - das Symbol der ärztlichen Kunst.
Asklepios, Sohn Apollos, Gott der Heilkunde.

Und schließlich der Text der "Hymne auf den Menschen" von August Köstlin

Wer hat wie Du geliebt den Freund
Wer ihm die Seele so gehoben
Wer so mit Ernst dem Scherz vereint
Ein Zauberband um ihn gewoben

Wer hat in heitres Schattenspiel
Wie Du das Leben umgestaltet
Und wer mit tieferem Gefühl
Die Blätter seines Ernsts entfaltet.

Ein lebensfreudiger Prophet
Standst Du auf zweien Welten Grenze
Von Himmelsluft das Haupt umweht
Und pflückest froh der Erden Kränze.

Ganz oben:
Als Krönung – in Stein gehauen, das älteste  Saiteninstrument der Griechen: die Lyra, das Symbol der Dichtkunst schlechthin. Sie ist nicht allein Ausdruck von Kerners hoher Meinung von der Dichtkunst, die er nicht  nur geliebt, verehrt und geschätzt hat, sondern  sich auch aktiv an der Durchsetzung  einer literarischen Strömung seiner Zeit – der Romantik – in seiner Heimat Württemberg  beteiligte und uns einige der schönsten lyrischen Gedichte hinterlassen hat – einschließlich der inoffiziellen "württembergischen Hymne" "Preisend mit viel schönen Reden", die seit nun 140 Jahren schwäbische Gesangvereine vor diesem Denkmal  immer wieder singen und mit Sicherheit auch weiterhin singen werden.

Restaurierungen
1951 - 1952 wurde das Denkmal wegen des Baus der katholischen Kirche an seinen heutigen Platz versetzt, nachdem es vorher auf einem Podest mit einem Treppenaufgang gestanden hatte und eingezäunt war.

1985 fand eine erste Sanierung statt, weil damals der weiche Sandstein durch Umwelteinflüsse bereits geschädigt war.

Anfang des Jahres 2004 wurde durch den Verein die dringend notwendige Sanierung des Denkmals in Angriff genommen. Im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt wurde von den Architekten und Bauingenieurexperten des Vereins, dem sogenannten "Bauteam", ein Restaurierungskonzept für das Denkmal erarbeitet. Die Ermittelung der Kostenberechnung für die Sanierung ergab 14 400 €. Hierzu kamen die Arbeiten für das Entfernen der Bäume und Sträucher, sowie die Veränderung der Stützmauer zur Freilegung des Denkmals. Diese Kosten waren unstrittig und wurden in Absprache durch die Stadt Weinsberg bezahlt.